Gärtner international

3__leonardo teaserLEONARDO DA VINCI bzw. Leonardo ist das Programm der Europäischen Union für die Zusammenarbeit in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Es ist benannt nach dem italienischen Universalgenie der Renaissance.
Leonardo fördert zum einen europäische Bürgerinnen und Bürger beim Erwerb internationaler Kompetenzen. So soll die Anzahl an Praxisaufenthalten in Betrieben und Berufsbildungseinrichtungen in einem anderen europäischen Land bis 2013 auf mindestens 80.000 pro Jahr erhöht werden. Zum anderen trägt das Programm durch europäische Modellversuche sowie durch den Transfer bereits entwickelter Produkte und Verfahren zu Innovation und Verbesserung der Berufsbildungssysteme und -praxis bei.

Die BS 06 (ehemals G13) ist seit Juli 2011 eine von 11 Partnerschulen, die gemeinsam das Leonardo-Projekt „Gartenbauausbildung in Europa“ durchführen. Zu unseren Partnerschulen gehört jeweils eine Gartenbauschule aus Polen, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Ungarn, Estland, Schweden, Belgien, Frankreich sowie jeweils zwei Schulen aus der Schweiz und aus Deutschland.

Dieses Projekt ermöglicht Auszubildenden aus den Partnerländern an Seminaren der Partnerschulen teilzunehmen. Reisekosten und Seminargebühren werden durch die finanziellen Mittel abgedeckt, die das Leonardo-Projekt für die Laufzeit von zwei Jahren zur Verfügung stellt. Jede Partnerschule bietet in jedem Jahr mindestens ein Seminar an. Die kooperierenden Schulen können ihre Auszubildenden dazu anmelden.

Die Abteilung Agrarwirtschaft BS 06 hat im April 2012 das Seminar „Friedhöfe in Hamburg“ in Zusammenarbeit mit den Friedhöfen Diebsteich, Ohlsdorf und Öjendorf sowie der überbetrieblichen Ausbildung des Kompetenzzentrums Gartenbau durchgeführt. Teilgenommen haben Auszubildende aus Österreich, Belgien und Tschechien. Sie haben gemeinsam mit unseren Auszubildenden aus dem dritten Lehrjahr Unterricht zum Thema Pflanzenkunde erhalten, in dem praktische Arbeitseinheiten eingeschlossen waren.

Unsere Schüler/innen und Lehre/innenr haben an insgesamt 30 „Mobilitäten“  (Auslandseminare) teilgenommen. Zwei Schülergruppen haben das Seminar Pflanzenzüchtung in Niederlenz/Schweiz besucht. Am Seminar „Grün in der Stadt“ in Paris haben sich vier Auszubildende beteiligt. 15 Auszubildende haben mit Teilnehmer/innen aus Belgien, Ungarn, Slowenien und der Schweiz gelernt, Gehölze im Winter zu bestimmen. Zur Zeit sind vier unserer Auszubildenden – begleitet von einer Lehrerin – in Österreich und besuchen zusammen mit belgischen und polnischen Auszubildenden das Seminar „Stein und Wein“ in Langenlois.

Neben den fachlichen Inhalten vermittelt jedes Seminar auch Eindrücke von Kultur und Lebensweise des gastgebenden Partnerlandes. Die Auszubildenden lernen miteinander zu kommunizieren und es entstehen Verbindungen, die vom schulischen Background losgelöst sind. Für die Jahre 2013 bis 2015 hat die BS 06 erneut einen Antrag auf Leonardo-Fördermittel gestellt, über eine Zusage werden wir im August Auskunft erhalten.

Gabriele Groddeck, Projektbetreuerin

 

 

Exkursion nach Räpina, Estland. 9.-14. Juli 2018

Schule und Ausbildung sowie Projekt-Aktivitäten:

 

Die Gartenbauschule und die Ausbildung in Estland

Die 1924 gegründete Aianduskool im Südosten Estlands ist die älteste Gartenbauschule des Landes. Hier werden vollschulisch SchülerInnen in Umweltschutz, Gartenbau, Landschaftsbau, Floristik und Textilhandarbeit ausgebildet. Das Motto „nutikas looduslähedane elu“ lässt sich grob mit „Smart Natural Life“ übersetzen. Neben einem großen Freigelände mit Anbau in den verschiedenen Gartenbau-Disziplinen verfügt die Schule über moderne Gewächshäuser und SchülerInnen betreuen einen etwa acht Hektar großen Park, welcher an einem alten Gutshaus gelegen ist.

In der zweijährigen Ausbildung (Unterbringung im Internat ist möglich) werden die SchülerInnen in allen Fachrichtungen unterrichtet, eine frühe Spezialisierung wie in Deutschland gibt es hier nicht. Es wird viel Gebrauch von modernen/digitalen Lehrmethoden gemacht, es stehen Computerarbeitsplätze, digitale Lernplattformen (moodle) und eine Bibliothek zur Verfügung.

Außerdem bietet die Schule Erwachsenenbildung (Weiterbildung/Umschulung) und in Kooperation mit Universitäten Weiterbildungen für LehrerInnen an; so kann man dort ein Pflanzenschutz-Zertifikat erwerben oder den Umgang mit modernen Programmen wie AutoCAD erlernen, aber auch Lehrgänge zu Züchtung und Veredelung besuchen. Die Schule ist auch sehr engagiert im internationalen Austausch; sowohl an Erasmus- und Comenius-Programmen als auch an internationalen Wettbewerben nehmen Schüler wie Lehrer teil.

Die Ausbildung in Estland scheint mir sehr fundiert und sinnvoller gegliedert als in Deutschland. Das an der Schule erworbene theoretische und praktische Wissen wird in Praktika vertieft und angewendet und nach der Ausbildung ist man genügend breit aufgestellt, um in verschiedenen Bereichen des Gartenbaus Fuß fassen zu können. Auch was den Umgang mit neuen Medien und digitalen Bildungsangeboten angeht ließe sich von der Aianduskool mit Sicherheit noch einiges lernen.

Rebecca L. Kassaye

 

Projekte und Aktivitäten

Nachdem wir am Montag gegen Mitternacht ankamen, unsere Zimmer bekamen und ein paar Stunden schlafen konnten, ging es auch schon los mit dem straffen Zeitplan. So sind wir am Dienstag, nach dem Frühstück in einem Café in Räpina, schon früh los auf Exkursion in die Natur Estlands. Dabei haben wir viele einheimische Wildstauden kennengelernt und uns Bilder dazu gemacht. Am nächsten Tag sind wir in der Gartenbauschule „Aianduskool“ geblieben um dort theoretischen Unterricht, im Bezug auf verschiedene Planungsmöglichkeiten von Staudenbeeten, zu machen. Dafür haben wir die Liste der zuvor kennengelernten Wildstauden genutzt. Am Donnerstag kam dann das Highlight für uns alle: Die Führung durch den atemberaubenden Garten von Reet Palusalu. Dort haben wir versucht die Pflanzen vom Dienstag wieder zu erkennen sowie die Beet-Planungen vom Mittwoch mit diesen Pflanzen zu füllen.

Zusätzlich wurden wir von Reets Familie liebevoll mit Kaffee, Kuchen und netten Unterhaltungen versorgt. Nach dem Mittagessen waren wir in einem Moor namens „Meenikunno Maastikukaitseala“. Hier haben wir eine Vielzahl an Pflanzen sehen können, die im Großstadtdschungel eher selten zu finden sind, bspw. Drosera – Der Sonnentau.

Am Freitag haben wir ebenfalls einen wunderschönen Garten von Anneli und Maidu Patrail, einer ehemaligen Schülerin von Reet, besucht. Hier bekamen wir eine Führung bevor wir weiter nach Tartu fuhren. In Tartu besichtigten wir dann, auf dem Weg zum Botanischen Garten der Universitätsstadt, die Altstadt. Im Botanischen Garten angekommen trennten wir uns, um uns die Vielzahl an Pflanzen anzusehen und Fotos zu machen. Alles in Allem war die Woche genauso schön wie lehrreich und wird sicher noch lange in unseren Köpfen bleiben.

Aaron Augustin, Josefine Eisbrich

 

Kulturelle Eindrücke in Estland

Die Esten sind ein sehr gastfreundlicher und offener Menschenschlag. Abgesehen von wenigen, die Regel bestätigenden Ausnahmen wie einem sehr patzigen Busfahrer auf der Fahrt von Tallinn nach Tartu, wurden wir stets herzlich empfangen. Dies gilt für die größeren Städte Tallinn, die touristisch orientiert ist, wie auch Tartu, eine Universitätsstadt und auch international und natürlich insbesondere für unsere Gastgeberin, die wir auch bei ihr zu Hause besuchten. Neben einer Besichtigung ihres gigantischen und sehr liebevoll gestalteten Gartens ließ man uns auch köstlichen Kaffee und Kuchen angedeihen. Ferner wurde jede/r Interessierte reichlich mit Ablegern, Samen und Pflanzen zum Mitnehmen versorgt.

Auch die estnischen Auszubildenden/Schüler waren sehr sympathisch, nachdem uns bewusst wurde, dass sie recht gutes Englisch sprachen und die Sprachbarrieren daher erfreulich niedrig waren. Sowieso sprechen relativ viele Esten Englisch, allein schon, da bei weitem nicht alle Fernsehsendungen in diesem bevölkerungsarmen Land synchronisiert werden. Auch bei einer ehemaligen Schülerin unserer Gastgeberin wurden wir sehr freundlich willkommen geheißen und in ihrem Garten herumgeführt.

Die Speisen in Estland unterscheiden sich grundsätzlich nicht sehr stark von den hiesigen, allerdings teilweise doch sehr von den Essgewohnheiten der Programmteilnehmer. Zum Frühstück gab es sowohl Brot und Brötchen mit Käse, Aufschnitt und süßen Aufstrichen als auch etwas Deftiges wie Rührei oder Würstchen; beim Mittagessen sind Kartoffeln ein für meine Begriffe noch steterer Begleiter als in Deutschland, ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten. Die Abendessen waren auch warme Gerichte. Verköstigt wurden wir in einer Gaststätte rund 10 Gehminuten von unseren Räumlichkeiten entfernt und auch hier war das Personal sehr freundlich und nach nur wenigen Besuchen herzlich.

Auch an die Vegetarier wurde gedacht, wobei ich den Eindruck hatte, dass Vegetarismus dort noch nicht ganz so angekommen ist. Die vegetarischen Speisen entbehrten in meinen Augen ein wenig einer kompletten Mahlzeit sondern bestanden manchmal eher aus mehreren Beilagen. Am letzten Abend unseres Aufenthalts gab es ein opulenteres Essen, das wir im Vorhinein auswählen konnten, mit Kerzen, Wein und emotionalem Abschied und Überreichung der Gastgeschenke der jeweiligen Gruppen.

Kassim Carstens

 

Estland ist ein kleines Land mit sehr viel Naturflächen. Wälder, Moore und Wiesen – soweit das Auge reicht. Diese schöne Natur konnten wir in Exkursionen kennenlernen. Wir lernten heimischen Pflanzen kennen, die dort in Massen wachsen. Auch sehr viele Störche konnte man während der Reise entdecken. Egal wo wir hin fuhren, lange Strecken wo nichts außer der Natur zu sehen war. So viel Natur hat mich sehr begeistert; ich werde in naher Zukunft nochmal nach Estland Reisen.

Jil Gronwald

 

 

 

 

 

 

 

 

Hamburg – Bergedorf