PKA: „Kisten ausräumen ist nicht genug!“

Ein Interview von Carolin Bauer mit Karl Werwarth von der Gewerbeschule 13 vom 15.07.2015

Berlin – Die Zukunft der Ausbildung zur Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten (PKA) sieht düster aus: Immer weniger Apotheken bilden aus. Die Zahl der Ausbildungsplätze sank 2014 im 5-Jahresvergleich um 40 Prozent auf 3724. APOTHEKE ADHOC sprach mit Karl Werwath, PKA-Lehrer an der Staatlichen Gewerbeschule Chemie, Pharmazie und Agrarwirtschaft (G13) in Hamburg, über Gründe für den Rückgang und wie Apothekeninhaber die Situation verbessern können.
 ADHOC: Warum gibt es weniger PKA?
 WERWATH: Für den Beruf wird zu wenig geworben. Ich glaube auch, dass die Fähigkeiten der PKA und der zusätzliche Nutzen für die Apotheke häufig unterschätzt werden. Der Beruf der PKA ist in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. PKA sitzen im Backoffice und tun dort ihre Arbeit. Vorne im Handverkauf werden lediglich Apotheker und PTA wahrgenommen. Auch die Inhaber könnten den Beruf bekannter und attraktiver machen.
 ADHOC: Wie denn?
 WERWATH: Wir haben in Hamburg einen sehr guten Kontakt zur Apothekerkammer und haben bereits gemeinsame Plakataktionen durchgeführt. In der Praxis sollten Inhaber PKA vor allem das machen lassen, wozu sie ausgebildet sind. Sie sollten als Kauffrau mit mehr Verantwortung eingesetzt werden zum Beispiel bei Einkaufsverhandlungen, bei der Preiskalkulation im Verkauf und bei der vorbereitenden Buchhaltung. Kisten ausräumen ist nicht genug. Das würde das Image der PKA fördern und auch die Inhaber entlasten. Dadurch lassen sich beispielsweise Kosten einsparen, und der Apotheker hat mehr Zeit für seine pharmazeutische Tätigkeit. PKA sollten auch häufiger in der Offizin präsent sein, um Beratung für Produkte des Freiwahlsortiments durchzuführen und diese zu verkaufen. Viele PKA verfügen über Verhandlungsgeschick und über gute Kenntnisse zum Beispiel im Kosmetikbereich.
 ADHOC: Hat die Reform der PKA-Ausbildung etwas gebracht?
 WERWATH: Ja. Die Ausbildung wird dadurch deutlich attraktiver und macht den Auszubildenden mehr Spaß. Vorher war es ein klassisch kaufmännischer und theorielastiger Bildungsgang. Jetzt werden vor allem Kompetenzen vermittelt. Die Schüler werden vor reale Situationen aus der Arbeitswelt der Apotheke gestellt, die sie lösen müssen. Geschäftsvorgänge werden praxisorientiert behandelt. Es werden Verkaufsgespräche für Freiwahlprodukte geübt und geprüft. Hinsichtlich der Abschlussnoten sind die Ergebnisse gleich geblieben.
 ADHOC: Der Einzelhandel klagt immer wieder über unmotivierte Bewerber. Ist das auch ein Grund für den Rückgang?
 WERWATH: Ich glaube nicht, dass das Problem ausschließlich bei den Bewerbern liegt. Die Abbrecherquote ist in Hamburg relativ niedrig. Deutlich mehr als 90 Prozent der Azubis bestehen die Abschlussprüfung. Ich denke, dass auch die Apotheken mittlerweile knallhart kalkulieren müssen. Manche Inhaber, aber insbesondere deren fachfremde Steuerberater, rechnen aus, ob sich eine PKA in ihrem Betrieb rentiert. In Hamburg übernehmen aber viele Apotheken, die ausbilden, ihre Auszubildenden.
 ADHOC: Was ist der Charakter einer typischen PKA?
 WERWATH: Normalerweise bilden wir Frauen zwischen 17 und 22 Jahren aus allen Kulturkreisen aus. An der Schule melden sich hauptsächlich Realschüler, aber auch Gymnasiasten und Hauptschüler – sogar Schüler ohne Abschluss, zunehmend auch junge Mütter, die einen Neueinstieg in den Beruf wagen. Während der Ausbildung ist der Zusammenhalt im Apothekenteam und in der Berufsschule sehr wichtig. Die Azubis sind teamfähig und nur wenige sind karriereorientiert.
 ADHOC: Die Karriereleiter in der Apotheke ist ja auch eher kurz.
 WERWATH: Die Schüler sind da realistisch. Trotzdem streben viele die Übernahme in der Apotheke an und bilden sich fort. Andere kommen in verwandten Bereichen wie der Zytoherstellung oder im Großhandel unter. PKA, die aufsteigen wollen, studieren zum Beispiel Pharmazie oder Gewerbelehramt. Über 70 Prozent fühlen sich mit ihrer ursprünglichen Berufswahl aber wohl.
 ADHOC: Hat der Beruf eine Zukunft?
 WERWATH: In Hamburg sind die Zahlen seit Jahren stabil. Viele Apotheken bilden gerne aus, da sie darin einen Vorteil für den eigenen Betrieb sehen. Die Apothekerkammer Hamburg unterstützt diese Apotheken in hervorragender Weise. Wichtig ist, dass PKA in der Apotheke ihren eigenen Aufgabenbereich haben, den sie verantworten. Es gibt leider einzelne Flächenländer, in denen der duale Beruf PKA von den zuständigen Apothekerkammern nicht gefördert wird. Das wirkt sich dort negativ auf die Ausbildungszahlen aus. Ich hoffe aber, dass der Beruf durch die Ausbildungsreform bundesweit wieder stärker von Schülern gewählt und von den Apotheken unterstützt wird.
Werwath unterrichtet seit 13 Jahren an der G13 in Hamburg. Die Branchenschule bietet unter anderem die zwei pharmazeutischen Berufe PKA und PTA an. Derzeit werden in drei Jahrgängen etwa 100 PKA-Schüler unterrichtet. Außerdem werden unter anderem Biologisch-Technische Assistenten (BTA), Chemisch-Technische Assitenten (CTA) oder Floristen ausgebildet. Insgesamt gibt es rund 1500 Schüler im dualen Bereich. Zuvor war Werwath als Handelslehrer an einer Schule für Bürokaufleute tätig. Das Referendariat hat er 1992 beendet.

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Weitere Informationen zur aktuellen Ausbildungssituation zum Beruf der PKA finden Sie hier: unersetzlich und verzichtbar.